Kinderschutzbund Wiesloch Logo
Kinderschutzbund Wiesloch PlatzhalterKinderschutzbund Wiesloch spnden
06222 305 395 - 0

21.05. 2017 Seminar- und Erlebnisgarten für Kleinkinder beim DKSB OV Wiesloch e.V.

1. Projektbeschreibung und -ziel:

Was waren Ihre Lieblingsbeschäftigungen als Sie noch ein Kind waren?

Sie waren den ganzen Tag draußen? Sie haben Fangen und Verstecken gespielt? Sie haben mit den anderen Kindern mit dem gespielt, was da war? Sie haben sich im Sommer in wilde Blumenwiesen gelegt und im Wolkenhimmel verschiedenste Figuren entdeckt? Sie haben im Bachlauf ständig neue Staumauern gebaut? Aus gesammelten Ästen haben Sie sich kleine, höhlenartige Bauten zusammengesteckt, um dann mit Freunden darin sitzend schon wieder neue Pläne zu schmieden? Möglicherweise haben Sie zusammen über den Bau eines Baumhauses nachgedacht?

Ein Baumhaus ist auch heute noch der Traum vieler Kinder. Nur sieht man heute in vielen Gärten kleine Holzhäuser auf Sockeln, die als Bausatz fertig aus dem Baumarkt kommen – auch schön, aber in der Regel ohne die Freude am „selbst-tun“ entstanden.

Immer mehr Kinder wachsen in vorstrukturierten, von Erwachsenen geplanten, „naturfernen“ Umwelten auf. Ja, auch bei uns im Rhein-Neckar-Kreis, obwohl wir viel Natur um uns herum haben. Hand auf’s Herz: Lassen Sie Ihre Kinder alleine in den Wald, damit sie dort ungestört stöbern und spielen können? Den meisten wird jetzt ein: „Natürlich nicht!“, auf der Zunge liegen. Unsere Erziehungshaltung hat sich grundlegend geändert. Unsere Kinder werden nicht unbeaufsichtigt nach draußen entlassen. Unsere Kinder werden in der Regel gefahren: In den Kindergarten, in die Schule, zum Sport, zum Ballett, in die Musikschule, in die Kinder-Kunstschule, zu Freunden usw.

Immer öfter höre ich Eltern auf den Spielplätzen ihren Kindern zurufen: „Aber mach dich nicht so schmutzig!“, „Pass auf die neuen Schuhe auf und lauf nicht über die nasse Erde!“. Immer öfter höre ich: „Lauf nicht durch die Wiese! Dort gibt es Zecken.“, und im Wald: „Gehe nicht so tief ins Unterholz – wegen der Zecken!“

Ja, Zecken sind gefährlich. Es ist absolut wichtig, sich zu informieren und entsprechende Vorkehrungen zu treffen. Und ja, in der Natur gibt es auch noch andere Gefahren. Auf der Straße auch: Statistisch kommt in Deutschland alle 4,3 Tage ein Kind bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Die meisten Gefahren lauern allerdings zuhause: 60 % aller Unfälle geschehen in den eigen vier Wänden.

Ein mögliches Fazit lautet: Wir können unsere Kinder nicht vor allen Gefahren restlos schützen, aber wir können unsere Kinder achtsam und zur Achtsamkeit erziehen.

Wenn Ihre Kinder autonom, selbstbestimmt, eigenverantwortlich, risikobewusst, fan-tasievoll, kreativ, menschen-, tier- und umweltfreundlich sein sollen, dann machen Sie „Mutter Natur“ zu Ihrer Erziehungspartnerin! Die Natur bietet der kindlichen Ent-wicklung wichtige Quellen zur Selbstwahrnehmung und –entfaltung, durch

  1. Unmittelbarkeit
  2. Hier und Jetzt-Situationen
  3. Freiheit und
  4. Widerständigkeit.

Sich in der Natur zu bewegen, macht Kinder schlau. Sie trainieren nicht nur ihre körperlichen Fähigkeiten sondern auch ihre mentalen, wie z.B.:

  1. Verbundenheit,
  2. Hingabe,
  3. Selbstwirksamkeit,
  4. Langsamkeit,
  5. Mitgefühl,
  6. Geduld,
  7. Vertrauen,
  8. Achtsamkeit und
  9. Beharrlichkeit

Somit unterstützt die Natur die körperliche und seelische Gesundheit, aktiviert das Immunsystem durch Sonne, Licht, Wind sowie durch viele sinnliche Erfahrungen, die den Geist immer wieder positiv stimulieren.

Naturerfahrungen können Kinder nicht nur im freien Feld oder im Wald machen. Auch der heimische Garten, selbst eine Terrasse oder ein Balkon bietet Möglichkeiten, der Natur Räume zurück zu geben und: Die Natur bei der Arbeit staunend zu beobachten. Wer diese vielen kleinen Wunder der Natur hautnah und von klein auf erlebt, wer sieht, wie die Pflanzen wachsen, wer erlebt, welche Aufgaben die zahlreichen Insekten und Vögel haben und für unser Zusammenleben, unser Überleben übernehmen, bekommt einen anderen Zugang zur natürlichen Umwelt. Und aus dieser erlebten und gewachsenen Verbundenheit erwächst ein Schutzbedürfnis – heute allerorten unter dem Begriff „Nachhaltigkeit“ zusammengefasst.

In Anlehnung an zahlreiche „Urban Gardening-Projekte“ wird im Kinderschutzbund OV Wiesloch e.V. ab 2017 das Thema „Naturpädagogik“ deshalb zu einem Schwer-punktthema erklärt. Die Tageseltern werden in Workshops auf einem kleinen Gelände des DKSB aktiv angeleitet, im Tageselternalltag „kindgerecht“ mit „ihren“ Kindern zu gärtnern und sich achtsam mit Kindern in der Natur zu bewegen. In unserem entstehenden Erlebnis(-Seminar)garten lernen sie beispielsweise in Theorie und Praxis:

  • eine Trockenholzecke und diverse natürliche Insektenhotels als Unterschlupf für unterschiedlichste Insekten und Wildbienen sowie
  • eine Trockensteinmauer für Salamander zu bauen.
  • Es entsteht eine Igelburg.
  • Es werden Hochbeete für alte Gemüsesorten,
  • Wildkräuterbeete und
  • eine wilde Blumenwiese angelegt,
  • ausgewählte regionale (Zwerg-)Obstbäume angepflanzt,
  • eine Kräuterspirale mit bekannten und weniger bekannten Pflanzen mit Heilwirkung gebaut,
  • verschiedenen Rankpflanzen sowie
  • heimischer Fruchthölzer (essbare Hecke) angepflanzt und
  • Beispiele vertikaler Gärten (aus Paletten) gefertigt.

 

In diese Bepflanzung integriert wird ein „sinnvoller“ Naturspielplatz für Kleinstkinder, mit

  • kleinen Spielhäusern (Nur-Dach-Häuser aus Paletten mit Bepflanzung) und
  • mit einem Weiden-Tipi,
  • Barfußpfad,
  • zahlreichen kindgerechten Beobachtungsposten (zum Beispiel installierte Fernrohre und Lochbleche) und
  • Ruheinseln (Liegen aus Paletten) sowie
  • Sitzgelegenheiten (Baumstümpfe) und
  • kleinen Tischen (Kabeltrommeln).

Die Gestaltung des Seminargartens orientiert sich an Vorbildern eines Naturgartens: Er soll aussehen, als wäre er natürlich gewachsen. Einheimische Pflanzen werden bevorzugt, weil sie langlebig sind und kaum Pflege benötigen. Auf chemische Kunstdünger und Pestizide verzichten wir. Durch die Bepflanzung von ausgewählten Gewächsen sollen Vögel, Igel, Insekten Wildbienen und Lurche angesiedelt und so die Artenvielfalt gefördert werden. Der Garten wird so konzipiert, dass er nach seiner Anlage wenig Energie verbraucht, d.h. bei normaler Witterung keine zusätzlichen Wassergaben benötigt; ein einmaliger Rückschnitt pro Jahr von Wiese, Stauden und Gehölz wird ausreichen, um den Garten in Form zu halten. Das Pflanzenspektrum wird nach Kriterien der Nützlichkeit für die Natur (einheimische Arten, gute Nektar- und Pollenpflanzen), nach Aspekten der Pflegeextensivität (robuste und genügsame Pflanzen), nach Sicherheitskriterien (keine giftigen Pflanzen) und nach ästhetischen Gesichtspunkten (lange und unterschiedliche Blühzeiten, Vielfalt an Blüten- und Blattformen) ausgewählt.

Da dieser Garten als externer Seminarraum dienen wird, sind die

  • Sitzgelegenheiten und Tische beweglich und in verschiedenen Höhen vorhanden (Baumstümpfe und Kabeltrommeln).
  • In regelmäßigen Seminaren werden Informationen und praktische Hilfen für die Nachgestaltung einzelner Elemente des Gartens gegeben, Wissen über die Pflanzen und deren Verarbeitung praktisch gelernt und nicht zuletzt  Grundkenntnisse in Naturpädagogik vermittelt.
  • Schautafeln mit jahreszeitlich unterschiedlichen Informationen und Beobach-tungsanregungen sollen den Garten für kleine und große Besucher rund um das Jahr attraktiv machen.
  • In diesem Garten laden „Ruheinseln“ Klein und Groß zum Entspannen ein und ermöglichen es, sich verschiedenen sinnlichen Wahrnehmungen zu öffnen (Vögeln und Insekten lauschen, riechen, schmecken, Farbwirkungen beobachten).

 

Durch unsere Seminare möchten wir unseren Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten: Wir möchten durch Multiplikatoren-Schulung natürliche Schutzinstinkte sowie die Lust an der Natur wiederbeleben und zeigen, wie wirklich jeder durch einen kleinen Beitrag die Umwelt wieder ein kleines bisschen gesünder macht. Denn wir möchten unseren Kindern eine lebensspendende und lebenserhaltende Umwelt hinterlassen und sie von klein auf zur lustvollen Nachhaltigkeit anleiten und befähigen. Der Garten soll außerdem den Kindern aus dem DKSB dauerhaft für Erholung, Beobachtungen und (klein-)kindgerechte Aktionen zur Verfügung stehen.